Yapentra in Deutschland

Hallihallo, liebe Leute 🙂
Es ist schon wieder ein Weilchen her, dass ich geschrieben habe… Der Grund, dass ich jetzt schreibe, ist allerdings ein ganz toller: der Chor von Yapentra kommt für ca. 2 Wochen nach Deutschland! Heute Nacht kommen sie in Berlin an, und ab Donnerstag bin ich dann in Hildesheim dabei und begleite „meine“ Kinder das Wochenende über.
Das Konzert, auf das ich mich am allermeisten freue, findet am Montag um 18:00 in Walsrode statt, wer also Lust hat zu kommen ist sehr herzlich eingeladen, ich werde auch da sein!

Viele Grüße aus Köln,

Susanne

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Julias Rundbrief Nr. 3

Liebe Förderer, Familie und Freunde…
Ein Jahr, eine lange Zeit ? Nicht wirklich ! Aber genügend Zeit um viel zu lernen von und über die Leute hier und das Land. Es ist ein so vollkommen anderes Leben , an das ich inzwischen so gewöhnt bin und es lieben gelernt habe , dass es schwer ist, mir vorzustellen wie ich in Deutschland leben werde. Ich habe viel gesehen, viel Gutes, viel Freundschaft ,viel Liebe, aber auch einiges Trauriges, Ausgrenzung, Armut ,Benachteiligung.
Auf zwei Themen möchte ich besonders hinweisen , Dinge die für mich ,bevor ich nach Indonesien gekommen bin selbstverständlich waren, aber die hier vollkommen anders laufen.

Zum einen die Rolle der Frau. Während in Deutschland sehr auf Gleichberechtigung geachtet wird, und es für mich unvorstellbar war , dass ich mich von irgendjemanden aufgrund meines Geschlechts anders behandeln lasse, ist es hier sehr unüblich so zu denken. Hier hat der Mann das Sagen. Als Familienoberhaupt, als Chef, als Gesprächspartner…Ich habe es erlebt ,dass eine Lehrerin aus dem Unterricht gerannt ist um ihren Mann den Tee zu bringen, damit er ihn bekommt wie gewünscht. Ich habe es erlebt , dass die Frau die Arbeit macht , aber der Mann derjenige ist dem man dankt. Ich habe erlebt ,dass vorallem die Frauen sich beispielsweise im Garten oder in der Küche halb tod arbeiten und trotzdem noch für die Kinder sorgen müssen und kaum Anerkennung dafür bekommen. Einerseits sind die Frauen hier mit die beeindruckensden Menschen die ich je kennenlernen durfte , weil sie unglaublich stark sind. Sie arbeiten den ganzen Tag , und erwarten keinen Dank, sie arbeiten und machen und tun für jeden und haben trotzdem noch die Kraft mit den Kindern zu lernen, zu schimpfen und sich um sie zu kümmern. Die Frauen hier sind so unglaublich stark, und trotzdem dreht sich für sie alles nur um den Ehemann , dass er zufrieden ist, dass sie einen finden, das Hauptziel ist vorallem eins, heiraten ! Sogar in der Kirche wird teilweise diese Bild vermittelt.Und es ist alles sehr getrennt hier, Frauen sprechen mit Frauen , Männer mit Männern, Frauen tragen Röcke und klettern niergendwo drauf und trinken schon gar nicht die traditionellen Männergetränke. Ich wo ich aus einem so anderen Hintergrund komme, durchbreche teilweise die “ Etikette“ und erzähle aus Deutschland . “ Nein, ich muss nicht heiraten.“ “ Ja auch Frauen können diesen Beruf ausüben“ “ Es gibt auch Männer die sich um Kinder und Haushalt kümmern“.. Teils stößt es auf Unverständnis, Erstaunden aber auch auf Zustimmung . Ich hoffe sehr , dass ich durch meine Erzählungen und mein Verhalten zeigen konnte , dass es auch anders sein kann.
Die Zweite Sache die mir sehr am Herzen liegt ist die Schulbildung. Ich würde lügen , wenn ich behaupten würde , als ich noch zur Schule gegangen bin hätte ich nie geklagt. “ Das ist zu viel “ “ Ich habe keine Lust mehr auf Schule“ “ Wieso keine Ankreusteste? “ Hiermit nehme ich alles zurück ! Es ist alles andere als Selbstverständlich , das jedes Kind zur Schule gehen kann. Schon gar nicht für Benachteiligte Kinder. In Indonesien werden Neugeborene nicht gemeldet, also bekommen die Eltern auch keine Benachrichtigung wenn es Zeit wird, das Kind zur Schule zu schicken, und kontrollieren tut es auch keiner. Es liegt alleine bei den Eltern. Ein anderer Grund ist , dass sich viele Eltern das Schulgeld einfach nicht leisten können. Nichtmal die staatlichen Schulen haben genug Platz für alle Kinder, das heißt es werden nur die genommen ,die im Ranking nach dem Abschluss der Grundschule am besten sind. Die anderen müssen zu Privatschulen, und die kosten Geld. Fur Kinder mit Behinderung ist es in der Regel so teuer , dass selbst wenn beide Elternteile arbeiten , das Schulgeld das Budget überschreitet, wenn es überhaupt eine Schule für Kinder mit solchen Bedürfnissen gibt. Von beispielsweise allen Kindern mit Sehbehinderungen in Indonesien gehen nicht mal ein viertel zur Schule. Ich finde diese Tatsachen sind traurig und machen Yapentra zu einem noch außergewöhnlicheren und schöneren Ort . Die andere Seite ist: Selbst die Kinder die zur Schule gehen können , bekommen eine Bildung die nicht zu vergleichen ist mit der in Deutschland . Also an alle Schulkinder die über zu schwere Klausuren klagen ,oder zu viel Stoff: Seid froh drum, ihr werdet später davon profitieren. Denn hier wird zum einen anders unterrichtet , alles wird “ ruhiger “ angegangen, der Lehrer geht auch schon mal raus und macht sich einen Tee, die Klausuren (Ankreuzteste) werden exakt so wie sie gestellt werden mit dem Lehrer zusammen voher besprochen und vor allem in den Sprachbüchern sind viele Fehler drin. Die 12.-Klässler hier ,können zum großen Teil keine einfachen englischen Sätze bilden. Und dabei ist gute Bildung doch so wichtig. Damit will ich jedoch nicht sagen , dass es nur “ dumme “ Menschen hier gibt oder alle Lehrer schlecht sind . Ganz im Gegenteil beispielsweise der Englisch- und Komputerlehrer ist einer mit der schlausten Menschen die ich je getroffen habe und ein sehr guter Lehrer . Ich denke nur , dass die Art zu lernen anders ist , eventuell langsamer und dass es ein großer Schritt wäre wenn mehr Kinder zur Schule gehen könnten oder es genügend Schulplätze gäbe , aber das ist ein größeres Problem als ,dass ich etwas tun könnte . Aber es ist doch schon mal ein Anfang die Schulbücher zu verbessern und mit den Kindern zu lernen und zu versuchen ihnen Anreize zu geben, mehr zu tun als nötig ist um den Test zu bestehen.

Ich danke allen meinen Förderern und Förderinnen, allen Freunden und Verwandten und dem Elm und der HBM, die mein Jahr hier in Indonesien ermöglicht haben , dies lesen und sich zu Herzen nehmen , oder einfach mal an mich gedacht haben , während ich hier war. Vielen Dank für all die Erfahrungen, für jedes Beisammensein hier, für jeden neuen Freund , für alles was ich gesehen habe , sowohl Gutes als auch Schlechtes, und vorallem für die Anfänge die ich hier machen durfte .
Wenn ich zurückgehe nehme ich auf jeden Fall mehr mit und trage es in meinem Herzen , als das was ich hier zurücklasse.
Vielen Dank eure Julia

Ibu Lenny und Ibu Ida , zwei Hausmütter, sie arbeiten jeden Tag sehr hart und kümmern sich trotzdem liebevoll um die Kinder. Sie sind wirklich starke Frauen.

Ibu Lenny und Ibu Ida , zwei Hausmütter, sie arbeiten jeden Tag sehr hart und kümmern sich trotzdem liebevoll um die Kinder. Sie sind wirklich starke Frauen.

Pak Arjuna, der Englisch- und Komputerlehrer mit Ningsii und Roma.Pak Arjuna liebt nicht nur das Unterrichten, sondern auch die Kinder.

Pak Arjuna, der Englisch- und Computerlehrer mit Ningsii und Roma.Pak Arjuna liebt nicht nur das Unterrichten, sondern auch die Kinder.

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Susannes Rundbrief Nr. 3

Oh man, in einer Woche sitzen wir schon im Flieger und sind auf dem Weg nach Hause, kaum zu glauben… Bevor wir wieder da sind, kommt hier noch mein dritter Rundbrief, viel Spaß beim Lesen 🙂

Liebe Förderinnen und Förderer, liebe Freunde und Familie,

auch mit diesem Rundbrief möchte ich mich nochmal bei Euch und Ihnen für die vielfältige Unterstützung während meines Freiwilligendienstes bedanken. Ich habe mich über jeden Brief, jede Mail und jeden Gedanken an mich und Yapentra sehr gefreut!
Dies ist nun schon der dritte und damit wohl auch letzte Rundbrief, den ich schreiben werde. Kaum zu glauben, dass meine Zeit hier in Indonesien schon fast vorbei ist und ich in zwei Monaten schon wieder zu Hause bin…

In diesem Brief möchte ich von der Situation der Behinderten in Indonesien berichten, besonders über den Zugang zu Bildung, auch wenn ich natürlich einen besonderen Blickwinkel auf die Situation habe, weil Yapentra eine Blindenschule ist.
Viele der Kinder hier in Yapentra kommen aus armen Familien und in der Armut liegt auch oft die Ursache für ihre Erblindung: viele hatten die Masern, als sie klein waren und sind dadurch erblindet, oder das Wasser war zu dreckig, oder sie sind erblindet, weil es zu wenig zu essen gab.
Hier in Yapentra bekommen sie eine kostenlose Schulbildung und außerdem die Chance, entweder später eine öffentliche Schule zu besuchen oder an der angegliederten Berufsschule auf ihr späteres Leben vorbereitet zu werden.
Zwar gibt es auch in Indonesien theoretisch eine Schulpflicht (Kinder im Alter von 7-15 Jahren müssen eine Schule besuchen, in der Regel die Grundschule und die Junior High School), jedoch wird es wenig bis gar nicht überprüft. Außerdem haben gerade viele der behinderten Kinder keinen Zugang zu Bildung, weil es nur wenige Sonderschulen gibt und die Eltern von diesen häufig nichts wissen. Deshalb sind einige „unserer“ Kinder hier viel älter, als sie es in ihrer Klasse normalerweise sein würden.
Auch ist die Akzeptanz für Behinderte hier in vielen Bereichen noch gering. Ich habe schon häufig mitbekommen, dass behinderte Kinder in der Gesellschaft oder sogar von ihren eigenen Familien abgelehnt werden. Das geht so weit, dass Eltern ihre Kinder hier in Yapentra abgeben und sich danach nie mehr melden.
Hier in Yapentra ist die Stimmung natürlich eine ganz andere als in vielen Teilen der Bevölkerung. Die Menschen hier kennen die blinden Kinder, es ist normal für sie, mit ihnen zusammen u´zu leben. Dementsprechend werden die Kinder hier unterstützt und akzeptiert, die Mitarbeiter kennen ihre Stärken und ihre Schwächen und sehen sie als ganz gewöhnliche und vor allem liebenswerte Menschen an.
Dies wird auch bei anderen Behinderungen deutlich. Ein Mitarbeiter-Ehepaar hat eine gehörlose Tochter (die übrigens auf eine eigentlich viel zu teure Internats-Privatschule in Medan geht, weil das die einzige in diese Richtung spezialisierte Schule in der Nähe ist) und wenn sie in den Ferien zu Besuch ist, wird auch sie ganz normal behandelt. Besonders schön finde ich es immer zu sehen, wenn sie mit den blinden Kindern spielt, auch wenn das natürlich für beide Seiten sehr schwierig ist, weil eine Kommunikation kaum möglich ist.
Ich finde es toll, wie die Leute in Yapentra mit den Kindern umgehen und ich finde es klasse, dass die Kinder hier die Möglichkeit bekommen, bei guten Noten eine „normale“ weiterführende Schule zu besuchen.
Nach der sechsjährigen Grundschule wird versucht, möglichst viele Kinder auf Schulen in Lubuk Pakam, der nächsten Kleinstadt zu schicken, wo sie dann mit „normalen“ Kindern unterrichtet werden. Dort bekommen sie andere Schüler zugeteilt, die ihnen etwas helfen sollen und nehmen dann ganz normal am Unterricht teil.

In Lubuk Pakam gibt es mehrere Schulen, die an dem Programm teilnehmen, private und staatliche. Das Verrückte daran ist, dass nur unsere sehr guten Schüler an den staatlichen Schulen aufgenommen werden und die nicht ganz so guten an die Privatschulen gehen, wo sie auch Schulgeld bezahlen müssen (dafür gibt es auch Förderprogramme von Yapentra, trotzdem ist es für die ärmeren unter ihnen teilweise ein Hinderungsgrund).
Nach der Senior High School müssen die Kinder dann einen Test machen, der als Studienzulassung gilt, anders als in Deutschland ist nur der Schulabschluss hier nicht genug, um zu studieren.
An der Universität ist es nochmal ein Stück schwieriger für die Blinden: es gibt viel Pflichtlektüre, die meistens aber nicht in Braille vorhanden ist, also muss es entweder extra für sie gedruckt werden oder sie müssen es sich vorlesen lassen – es ist auf jeden Fall nicht immer leicht. Aber sie bekommen die Chance auf Bildung, eine Chance, ihr Leben später selbstständig leben zu können, Geld zu verdienen, eine Familie zu gründen.
Das ist leider bei einem Großteil der Behinderten anders. Wenn wir mit dem Auto unterwegs sind, sehe ich jedes Mal behinderte Bettler an Straßenkreuzungen, die während der Rotphasen von Auto zu Auto gehen.

Einige ehemalige Yapentra-Schüler sind mittlerweile Musiker, Sportler, Lehrer, Masseure…
Unser Indonesischlehrer Pak Arjuna beispielsweise war hier auch ein Schüler, dann hat er studiert und währenddessen privaten Englischunterricht gegeben, um sich sein Studium zu finanzieren. Jetzt unterrichtet er hier an der Schule Englisch und Informatik, ist verheiratet, hat zwei tolle Kinder und hat nebenbei noch mal eben ein Programm geschrieben, das Computer sprechen lässt und ist damit so etwas wie DER Experte, wenn es in Indonesien um computergestützten Unterricht für Blinde geht.
Wenn ich mir die Chancen der Kinder ansehe, die nach Yapentra kommen und die nicht vorhandenen Chancen der Behinderten ohne Schulbildung, dann bin ich jedes Mal aufs Neue froh, dass es Yapentra gibt und damit zumindest ein paar Kindern eine Zukunft ermöglicht wird.

Ein weiterer Punkt zu Yapentra: obwohl es eine von der Kirche getragene Einrichtung ist, ist die Schule für Kinder aller Glaubensrichtungen offen. Dennoch besuchen momentan nur zwei muslimische Schüler Yapentra. Dies liegt auch daran, dass muslimische Familien, die ihre Kinder auf eine christliche Schule schicken oft große Skepsis von Verwandten und Bekannten erfahren, sodass die Kinder teilweise nach einigen Wochen wieder von der Schule genommen werden.
Ein anderer Grund könnte sein, dass viele Eltern über die Kirche von Yapentra erfahren, weil z.B. die Pastoren schon in Kontakt mit Yapentra standen oder Yapentra-Mitarbeiter oder Alumni in ihren Heimatgemeinden von der Schule erzählen.
Das Ziel ist es aber, die Schule noch offener für alle blinden Kinder zu machen.

Auch wenn die schulische Bildung und die Chancen der Behinderten in Indonesien die Aspekte sind, die hier für mich die größte Rolle spielen, so gibt es noch viele andere Bereiche, an denen man merkt, dass Indonesien noch ein Schwellenland ist. Die Schere zwischen arm und reich ist riesig. Wenn wir durch die indonesischen Städte fahren, gibt es Straßen, in denen gigantische umzäunte Villen mit Wachmann stehen und drei Straßen weiter stehen Wellblech- oder selbstgezimmerte Holzhütten im Schatten dieser Schlösser. Es gibt Menschen, die drei Autos, mehrere Fernseher, Smartphones, Tablets, Designerhandtaschen und so weiter besitzen und es gibt Menschen (unter anderem einige Familien unserer Kinder), die Schwierigkeiten haben, genug zu Essen für die Kinder auf den Tisch zu bringen oder die 3€ für den Rückweg der Kinder nach Yapentra am Ende der Schulferien aufzubringen.
Aber es freut mich, dass einige dieser reichen Menschen nach Yapentra kommen und helfen wollen. Sie bringen beispielsweise Essen, Zahnbürsten, Handtücher, Seife und selten auch Braille-Drucker oder Laptops, und auch wenn die Kinder sich oft am meisten über Süßigkeiten freuen (die bekommen sie ansonsten nämlich nicht), finde ich es schön, wenn die Sponsoren sich offensichtlich Gedanken darüber gemacht haben, was die Kinder wirklich brauchen und so etwas wie Schultaschen oder auch mal Binden für die Mädchen mitbringen.

Eine Sache, die auch für Julia und mich ein Problem darstellt, ist das sehr dreckige Trinkwasser hier. Zum einen ist es sehr lehmig und dadurch manchmal richtig gelbstichig, zum anderen liegt die Schule in einem Industriegebiet, weshalb vermutlich auch einige Chemikalien im Wasser sein dürften. Erst vor ein paar Tagen habe ich unser Wasserbecken geputzt, dessen Abfluss ich das Mal zuvor mit einem Stück Stoff verstopft hatte (aus diesem Becken schöpfen wir unser Duschwasser), und dieses Stoffstück hat angefangen, sich aufzulösen. Wenn ich daran denke, dass sich alle Menschen in Yapentra Tag für Tag mehrmals mit diesem Wasser duschen und auch damit gekocht wird, fange ich an mir ernsthafte Sorgen zu machen…
Das verschmutzte Wasser führt nicht nur bei uns, sondern auch bei den Kindern und Mitarbeitern zu Verdauungsbeschwerden und Hautproblemen. Zwar gab es für die Küche eine Zeit lang (bevor wir hier ankamen) einen eigenen Wasserturm mit extra Filter. Der war jedoch immer so schnell verschmutzt, dass der Unterhalt zu teuer war, weshalb jetzt wieder mit durch Lappen gefiltertem Wasser gekocht wird.
Natürlich ist es in Indonesien normal, dass man das Leitungswasser nicht einfach trinken kann, aber hier ist es schon extrem. Deshalb habe ich mir vorgenommen herauszufinden, was das Wasser hier so dreckig macht und welche Art von Filter am besten zur Reinigung geeignet wäre.

Meine Zeit hier ist schon fast um, und da die Zeit wahnsinnig schnell vergeht, bin ich also schon fast wieder bei Euch in Deutschland 😉
Noch einmal vielen herzlichen Dank für Eure Unterstützung und das Interesse an meinen Erfahrungen und an Yapentra, ich freue mich schon darauf, Euch alle wieder zu sehen und persönlich von Indonesien zu berichten (aber wenn ihr jetzt schon Fragen habt, dürft Ihr mir natürlich auch einfach eine Mail schicken).
Bis ganz bald mit vielen indonesischen Grüßen,
Eure Susanne

Julia und ich mit zwei finnischen Freiwilligen bei einer Dschungeltour im Nationalpark

Julia und ich mit zwei finnischen Freiwilligen bei einer Dschungeltour im Nationalpark

Bei einem Treffen von kirchlichen Einrichtungen für benachteiligte Kinder

Bei einem Treffen von kirchlichen Einrichtungen für benachteiligte Kinder

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Von Affen,Tempeln und Teichen

Eine Woche Bali, wenn mir jemand vor zwei Jahren gesagt hätte, ich würde mal Bali sehen, hätte ich ihm wahrscheinlich einen Vogel gezeigt. Aber ich war da und es war so ziemlich mit die aufregendste Woche die ich hier bisher hatte. Es ist schon komisch über was man sich alles freuen kann… warmes, fließendes Wasser, einen großen Spiegel, getoastetes Brot, weiche Matratzen… (wobei ich sagen muss, dass ich mich nach einer Woche Bali dann auch wieder auf unsere spezielle Dusche und eine harte Matratze in unserem kleinen Häuschen gefreut habe). Naja auf jeden Fall das erste worüber ich mich gefreut habe war ein weißer Mann, den musste ich natürlich sofort erst mal ansprechen und fragen warum er hier ist 😀 Er fand es glaub ich ziemlich witzig wie wir uns über einen Weißen gefreut haben, aber diese Freude war ganz schnell vorüber als aufeinmal in Kuta alles voller weißer Menschen war, ich meine so viele Weiße muss man erstmal verkraften nach vier Monaten nur zu zweit, ich glaube wenn wer aus Lubuk Pakam da gewesen wäre, wär er wahrscheinlich in Ohnmacht gefallen. Auf jeden Fall war es auch mal ganz schön nicht aufzufallen. Bali ist wirklich ein schönes Fleckchen Erde, vor allem Ubud ist wunderschön. In Ubud haben wir in einem süßen Hostel mitten in einer Tempelanlage gewohnt, in dem wir andere Freiwillige aus Finnland getroffen haben. Zunächst ist Ubud ein richtig kuscheliges Pflaster, mit kleinen, recht sauberen Souvenirständen, bei denen man, wenn man Indonesisch kann und etwas lieb guckt auch recht gut runterhandeln kann. Da hatte mein Shoppingherz also alle Freude der Welt, dort gibt es aber auch wirklich schöne Dinge, von Gemälden über Schnitezereien bis hin zu Batik… Nach dem Kauf der neuen Hose gings dann in den Affenwald, im Nachhinein nicht die beste Idee der Welt mit meiner Hose in einer Plastiktüte dieses gefährliche Terrain zu betreten, da ich nach nicht mal 10 Metern die ich in diesem Wald war von dem erstbesten Affen angegriffen wurde. Ja, wirklich angegriffen, er hat mir meine Tüte aus der Hand gerissen, sich auf meine neue Hose gesetzt und mich angefaucht. Und jeder der denkt diese kleinen Äffchen könnten keiner Fliege was zu Leide tun, der ist enweder noch nicht mit einer neuen Hose in diesen Wald gegangen oder hat diese überporpotionalen Zähne noch nicht gesehen. Da blieb mir später eigentlich gar nichts anderes übrig als Susanne vor und Viktor hinter mir gehen zu lassen und jedes mal wenn sich mir ein Affe in den Weg gesetzt hat stehen zu bleiben 😉 sodass Susanne und Viktor mich später quasi durch den Wald geschoben haben. Der Wald an sich ist ein bisschen geheimnisvoll und düster, also genau mein Ding 😀 Überall Statuen, Tempelanlagen, Bachläufe, große Bäume mit langen Luftwurzeln… Wenn man von meiner neuen Angst vor Affen also absieht ein rundum gelungener Tag. Am nächsten Tag sind wir wandern gegangen. Über Stock, Stein und Bach, den Berg rauf und wieder runter… Die Aussicht war atemberaubend! Der Wanderweg führte nämlich auf einem Berg zwischen zwei Flüssen lang. Super heiß und anstrengend, aber das war schnell wieder vergessen als wir oben an dem kleinen Spa angekommen waren, uns in einer Gondeln auf dem Fischteich ausgebreitet hatten und einen Mangolassi getrunken hatten. Zu dieser Gondeln führte ein Steg – tja, und wer zu faul ist sich zu bücken um sich die Schuhe auszusiehen, der versucht es eben elegant im Stehen, was bei dieser Variante jedoch bedacht werden sollte: Schuhe sollen für gewöhnlich nicht schwimmen… meiner auch nicht, er tat es aber trotzdem. Also fischte ich nach meinem Schuh, leerte den gesamten Inhalt der Tücherbox in ihn und stellte ihn in die Sonne. Die Leute haben nur merkwürdig geguckt und manche dachten mit Sicherheit: Immer diese Weißen! Aber hey, wenn ich doch eh schon komisch und weiß bin dann ist es mir doch egal ob die Leute in dem Spa mich noch komischer finden. Außerdem, wer sagt dass „noch komischer“ nicht riesen Spaß macht. Für uns war es auf jeden Fall ein gelungener Ausflug.
Nun zu den Tempeln, auf Bali gibt es ja sowieso total viele kleine, grosse, bunte, schlichte Tempel, was die ganze Atmosphöre irgendwie… exotisch und friedlich macht. Aber besonders in Erinnerung ist mir Tanah Lot geblieben, das ist ein Tempel auf einem Felsen im Meer zu dem man bei Ebbe und gutem Wetter zu Fuß rüber gehen kann. Dieses Glück hatten wir natürlich nicht. Aber das tat dem Ganzen keinen Abbruch! Im Gegenteil, er war immer noch wunderschön und das Sprichtwort: “ Wie ein Fels in der Brandung“ bekommt eine ganz neue Ebene. Ausserdem hatte es etwas von einem kleinen Abenteuer in unseren stilsicheren, grünen Ponchos dort auf den Felsen zu stehen und den Wind und die Wellen um sich rum zu spüren. Und wie sagt man so schön: „Auch im Paradies muss es mal regnen“ (Oder kommt der von mir?) Naja, und das war bei uns halt der Fall.
Alles in allem auf jeden Fall ein gelungener Urlaub, und jetzt kann ich sagen: „Ich war schon mal auf Bali! Einem Paradis in dem es auch mal regnet.“

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Julias zweiter Rundbrief

Liebe Förderer und Freunde, mehr als sechs Monate ist es nun schon her, dass ich Deutschland verlassen habe, und es hat sich auch seit meinem letzten Rundbrief schon einiges verändert. Der schönste Moment für mich hier war der Moment, in dem ich realisiert habe, dass ich nun wirklich dazu gehöre, dass ich hier Freunde und ein neues Leben habe, dass ich die Menschen und das Leben, was sie hier führen, nun verstehe.
Ich habe hier so viele Menschen getroffen, und vor allem von „meinen“ Kinder würde ich euch am liebsten jedes einzelne vorstellen. Die Kindern und Lehrer und Frauen haben mich hier schon so beeindruckt und sind schon jetzt „ganz tief in meinem Herzen“.
Wenn ich zum Beispiel im Englischunterricht helfe, merke ich jedes Mal, dass der Englischlehrer nicht nur ein wirklich guter Lehrer und sehr schlau ist, sondern auch, dass er menschlich unglaublich toll ist und nicht nur das Unterrichten, sondern vor allem die Kinder hier liebt. Wenn ich eines Tages mal zu so einem Menschen geworden bin, dann habe ich wirklich alles richtig gemacht. Oder die Hausmütter, sie arbeiten von morgens bis abends im Garten und haben immer noch die Kraft, sich liebevoll um die Kinder zu kümmern, mit ihnen zu lernen, zu lachen und auch mal zu schimpfen. Die Kinder, ich kann gar nicht in Worte fassen, wie wichtig sie mir schon sind. Und alle sind so verschieden und es macht Spaß, sich mit ihnen zu beschäftigen und sie zu fördern. Es macht mir Spaß, ihnen Harry Potter vorzulesen und danach dann darüber zu diskutieren, ob Snape nun böse oder gut ist, es macht Spaß, mit ihnen laufen zu gehen und die Steigerungen zu verfolgen, es macht Spaß, mit ihnen auf den Markt zu gehen und zu beraten ob sie nun dieses braune T-Shirt kaufen sollen oder nicht, aber noch mehr Spaß macht es, die Verkäufer in den Wahnsinn zu treiben, weil wir gemeinsam einfach ein unschlagbares Verhandlungsteam sind. Diese Kinder sind die beeindruckendsten Menschen, die ich bisher getroffen habe, weil sie keine Angst haben mit mir laufen zu gehen, obwohl sie blind sind, weil sie, obwohl ihnen teilweise schon schlimme unfaire Dinge geschehen sind, immer noch lachen können, weil sie Fische mit bloßen Händen fangen, es gibt noch vieles mehr, was ich aufzählen könnte , aber dann würde ich wahrscheinlich nie zu einem Ende kommen. Besonders stolz war ich, als unsere neue Theatergruppe am 21.12. „eine Weihnachtsgeschichte“ vorgeführt hat , und sie wirklich alles gegeben haben, an diesem Abend haben sie nicht nur mich zur stolzesten Freiwilligen der Welt gemacht, sondern auch allen Menschen die bei unseren Proben noch gezweifelt haben gezeigt, was sie drauf haben.
Ich hatte hier schon so viele Erlebnisse, die ich am liebsten alle mit euch teilen möchte. Eines davon war zum Beispiel die Hochzeit von Ira, Ira hat hier in den ersten drei Monaten gearbeitet und dann geheiratet, sie war in den ersten, auch schwierigen, Monaten eine wahre Freundin und es hat uns sehr berührt, als sie uns auf ihrer Hochzeit zu sich gewunken hat, um uns noch einmal in den Arm zu nehmen. Auf dieser Hochzeit habe ich übrigens meine erste Rede auf Indonesisch gehalten. Was allerdings etwas anstrengend war, war dass die Menschen in Dumai offensichtlich noch nicht so oft „weiße“ Menschen gesehen haben und uns deshalb wie Justin Bieber behandelt haben, das heißt wir konnten nicht richtig essen, weil überall Mütter mit ihren Kindern Fotos mit uns gemacht haben, während der Predigt haben die Kinder das Kirchenfenster belagert und gefragt, ob meine Augen denn echt sind, alleine auf Toilette gehen war leider auch nicht möglich Das eigentlich richtig witzige ist aber, dass ich aus Spaß zu Susanne auf der Hochzeit gesagt habe, dass es rein theoretisch möglich wäre, die Geburt Iras Kind mitzuerleben, ihr könnt euch also unsere Freude vorstellen, als wir einen Anruf bekommen und berichtet bekommen haben, dass Iras Kind im September zur Welt kommen wird und wir beide den Namen aussuchen dürfen.
Auch schön war, als ich mit einem der Lehrer einen Nachmittag seine Familie besucht habe, natürliche richtige Batak, und es für sie keinen Unterschied gemacht hat, dass ich anders aussehe und vom anderen Ende der Welt komme. Wir haben gesessen und gequatscht, das machen die Batak sehr, sehr gerne, und sie haben mit mir traditionelles Batakessen gegessen, Schlange – sehr lecker, schmeckt wie Hühnchen, und mit mir Tabak gekaut und sich einfach gefreut, dass ich ihre Kultur ausprobiere. Oder als wir nach der Taufe des neugeborenen Sohnes vom Englischlehrer mit seiner Batakfamilie zusammen saßen, ebenfalls Tabak gekaut haben – der ist hier vor allem bei den Frauen sehr beliebt, und ich einfach eine von ihnen war.
Ein anderes Mal haben wir mit den Kindern hier meine speziellen Weihnachtsplätzchen gebacken, die Mütter haben sich über etwas Freizeit gefreut und die Kindern darüber wenn sie ,ganz heimlich, versteht sich, einmal oder fünfmal naschen durften. Und um „Kulturaustausch“ mal wörtlich zu nehmen, haben die Frauen hier meine Ausstechförmchen bekommen und sie haben mir dafür ihre für den traditionellen „Kuchen“ gegeben und mir gezeigt wie man ihn macht , nur weil ich einmal in einem Nebensatz erwähnt habe, dass ich ihn mag.
Ein anderes Highlight war es, als Frank, der Vorsitzende unserer Organisation, zu Besuch war und wir ihm die andere Seite Indonesiens zeigen konnten, indem wir mit ihm in einer Rikscha gefahren sind und auf dem Markt eingekauft haben, wo die Leute die komische Blonde aus Europa natürlich schon kennen und mich schon von weitem herbeirufen.
Von einer besonderen Begegnung möchte ich noch berichten, was passiert wenn man „indonesischer“ ist als die Indonesier? Richtig, man ruft einen wildfremden Jungen mit selbstgebautem Motorrad mit Anhänger herbei und macht ihn zum Rikschafahrer. Ich fand es schon ziemlich cool von ihm, dass er da so mitgemacht hat. Wir hatten alle unseren Spaß und die Leute in Yogyakarta fanden es alle sehr witzig.
Allgemein ist mir hier aufgefallen, wie wichtig Sprache ist, wer Englisch kann, der ist hier was, und die Weißen, die Indonesisch könnten, die gehören dazu.
Es ist schon unglaublich was für einen Unterschied sechs Monate machen können, am Anfang konnte ich nicht verhandeln, habe mich auf dem traditionellen Markt unwohl gefühlt, habe kein Wort verstanden und immer nur genickt und gelächelt, und wusste nicht wie man mit den Fingern isst und fand das Essen zum größten Teil zu scharf und jetzt diskutiere ich, mache Witze, kaufe am liebsten auf dem Markt ein, esse gerne mit den Fingern und nehme selber noch Chillie nach. Aber der größte Unterschied, wie ich schon gesagt habe ist: Ich gehöre jetzt dazu, die Leute begrüßen mich nicht mehr als die neue Freiwillige sondern als Freundin, man verabredet sich, isst zusammen lacht zusammen. Es ist ein richtig gutes Gefühl nicht mehr die Neue zu sein.
Diese sechs Monate waren zum einen sehr lange, lehrreiche und ereignisreiche sechs Monate, aber auch die kürzesten sechs Monate meines Lebens. Ich kann es nicht fassen, dass schon mehr als die Hälfte meines Jahres hier um ist und wir sogar schon unsere Rückflugtickets bekommen haben. Ein Datum zu haben, an dem mein Abenteuer hier endet, macht es irgendwie realer, dass ich tatsächlich zurück muss, in das geordnete, saubere Deutschland ohne Rikschas, Mie Pangsit – mein Lieblingsessen hie, ohne kleine, leicht runtergekommene, aber sehr leckere „Fressbuden“ an denen teils auch Hundefleisch angeboten wird. Um mal ganz ehrlich zu sein, wer braucht McDonald’s wenn er Mie Pangsit haben kann?

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Rundbrief Nr. 2

Hallo ihr Lieben, hier kommt dann auch mal mein zweiter Rundbrief angeflattert, viel Spaß beim Lesen 🙂

Liebe Förderer und Förderinnen, liebe Freunde und Familie,

vielen Dank für die Unterstützung, die ich immer wieder von Ihnen und Euch erfahre, auf den unterschiedlichsten Wegen. Diese Unterstützung ist sehr wertvoll für mich, weil sie mir zeigt, dass es Menschen gibt, die sich dafür interessieren, wie es mir, aber auch den Kindern in Yapentra geht und was hier passiert.
Mittlerweile sind Julia und ich seit sechs Monaten hier, es ist Halbzeit. Ein komisches Gefühl, jetzt schon an den Abschied zu denken, wo wir die Kinder und alle anderen Menschen in Yapentra schon vermissen, wenn wir nur kurze Zeit nicht hier sind, weil wir zu einem Seminar oder unser Visum in Singapur verlängern müssen.
Die Menschen hier sind mir sehr ans Herz gewachsen, gerade die Kinder. Natürlich ist es oft anstrengend, und manchmal gehen sie mir einfach auf die Nerven, weil wir dadurch, dass wir direkt auf dem Schulgelände wohnen, wenig Privatsphäre haben, aber sie machen das alles vielfach wett.
Es gibt viele Erfahrungen, die mich sehr berührt haben und über die ich hier berichten könnte, aber ich werde mich auf ein paar von ihnen beschränken.
Da ist die Mitarbeiterin, die in den ersten drei Monaten zu einer wahren Freundin für uns geworden ist – wir waren oft mit ihr im Nachbarort, haben dort eingekauft, Nudeln gegessen, wir haben ihr bei der Gartenarbeit geholfen (sie war für den Schulgarten zuständig), einfach viel mit ihr unternommen. Natürlich haben wir uns sehr gefreut, als sie uns im November zu ihrer Hochzeit eingeladen hat, zu der wir dann 12 Stunden mit dem Chor im Schulbus gefahren sind. In Dumai angekommen, haben wir dann eine Batak-Hochzeit erleben können. Der Gottesdienst ist sehr ähnlich zu den Hochzeiten, die ich auch in Deutschland schon erlebt habe, aber die Feier danach ist einfach nur überwältigend. Mit um die 800 Gästen war es eine nicht außergewöhnlich große Hochzeitsgesellschaft, unser Indonesischlehrer hat erzählt, dass seine Hochzeit mit nur rund 100 eingeladenen Familien schon sehr klein war…
Zu Beginn der Feier ziehen die Gäste tanzend zu traditioneller Musik ein und überreichen dem Brautpaar die Geschenke, oft Reis. Im Anschluss daran gibt es Essen. Danach war unserer Schule an der Reihe, die Geschenke zu überreichen, und wie das so ist, wurden plötzlich auch Julia und ich dazu aufgefordert, vor allen Gästen mit Mikro eine kleine Rede zu halten.
Danach verließen wir die Feier schon wieder, weil die Kinder größtenteils seit mehr als 24 Stunden nicht mehr geschlafen hatten und dementsprechend müde waren.
Obwohl es eine sehr spannende und schöne Erfahrung war, zu dieser Hochzeit zu dürfen, war es doch auch mit Traurigkeit verbunden, weil unsere Freundin seitdem bei ihrem Ehemann wohnt und nicht mehr hier arbeitet.
Im Januar bekamen wir dann jedoch eine SMS, die uns sehr deutlich zeigte, dass in den drei Monaten nicht nur sie für uns, sondern anscheinend auch wir für sie sehr wichtig geworden sind: sie ist schwanger, und nicht nur, dass wir mit die Allerersten waren, die es erfahren haben, wir dürfen uns auch noch einen Namen für ihr Kind aussuchen.
Vor allem die Kinder hier in Yapentra nehmen natürlich viel Platz in meinem Herzen ein, die mit ihren persönlichen Lebensgeschichten, Ticks, Talenten und Eigenschaften irgendwie alle liebenswert sind.
Da ist ein Junge, der als Zweijähriger bei der Schule abgegeben wurde. Anfangs meldete seine Mutter sich noch regelmäßig und erkundigte sich, wie es ihm geht, aber seit einigen Jahren hat die Schule nun schon nichts mehr von ihr gehört, der Junge ist also praktisch elternlos. Trotzdem ist er eines der fröhlichsten und klügsten Kinder, die ich kenne.
Da ist das Mädchen, dass durch verschmutztes Wasser, das in ihre Augen geraten ist (so hundertprozentig habe ich auch noch nicht bei allen verstanden, wie sie erblindet sind), erblindete und die es genießt, wenn ich mir Zeit für sie nehme, ihr die Haare flechte, einfach mit ihr quatsche – und sich wie wahnsinnig freut, wenn ich sie als „adikku“, also mein kleines Geschwisterkind bezeichne. Adik ist hier an sich eine ganz normale Anrede für Menschen, die deutlich jünger sind als man selber (die ich aber eigentlich nicht benutze, weil ich mich dann fühle, als würde ich mich selber über die anderen stellen, aber sie freut sich immer so darüber…), aber ihr bedeutet es offensichtlich viel.
Zu Weihnachten haben wir mit den Kindern Joy to the world gesungen. In einer Strophe heißt es: „repeat, repeat the sounding joy“. Diese Zeile erinnerte die Kinder an einen Satz, den Sophie, unsere Vorgängerin wohl häufiger zu ihnen gesagt hat, wenn sie unaufhörlich mit dem Kopf wackelten, „Don’t shake your head repeatedly!“. Daraus entwickelte sich ein Spiel, bei dem Julia und ich wie wild unseren Kopf schütteln müssen, wenn die Kinder „repeatedly“ zu uns sagen.
Es sind diese Momente, die mir zeigen, dass ich das Richtige tue, dass es gut ist, dass ich hier bin und es auch den Kindern etwas bedeutet. Das habe ich auch gesehen, als wir nach zwei Wochen (wir haben Viktor in Surabaya an der anderen Blindenschule in Indonesien, die auch von der HBM unterstützt wird, besucht, waren bei unserem Mittelseminar in Semarang und hatten zwei wunderbare, spannende Tage in Yogyakarta, die unter dem Einfluss des Ascheregens standen, der aufgrund eines Vulkanausbruchs auf Yogyakarta runter regnete, bevor wir nach Singapur gefahren sind, um dort unser Visum zu verlängern, weil die Visa für Indonesien maximal auf sechs Monate verlängert werden können. Danach muss man im Ausland ein neues beantragen, was meistens auch relativ problemfrei klappt) endlich wieder nach Hause kamen.
Weihnachten hier wird anders gefeiert als in Deutschland, und vor allem fühlt es sich anders an. Es ist natürlich viel wärmer, was bei mir persönlich verhindert hat, dass richtige Weihnachtsstimmung aufkommt. Außerdem fing Weihnachten hier mit dem 1. Dezember an und dauerte bis über den 26. hinaus an. Die Schule besitzt eine Halle, die für Feiern gemietet werden kann, und bei den allermeisten dieser Weihnachtsfeiern haben die Kinder gesungen, und es wurde von allen Bewohnern Yapentras erwartet, dass sie dort sind. Also saßen wir oft in der Halle und haben diverse Weihnachtsfeiern miterlebt, alle mit Gottesdienst (der auch schon mal drei Stunden dauern kann), viele mit gemeinsamem Essen und Singen im Anschluss. Und so schön Teile dieser Feiern auch sind (z.B. dass beim Singen von Stille Nacht, heilige Nacht alle in der Gemeinde eine kleine Kerze anzünden und das Licht gelöscht wird), so anstrengend ist es auch, solche Marathons fast teilweise mehrmals täglich fast vier Wochen am Stück mitzumachen.
Für die Weihnachtsfeier von der Schule haben Julia und ich allerdings etwas ganz besonderes mit den Kindern vorbereitet, mit der Hilfe unseres Indonesischlehrers: wir haben Charles Dickens A Christmas Carol gekürzt und übersetzt, und es dann mit den Kindern geübt. Wir haben fast zwei Monate dafür geprobt, und es hat sich gelohnt. Die Kinder hatten einen Heidenspaß daran (auch wenn wir spätestens bei der Gelegenheit gemerkt haben, dass es hier recht viele Leute gibt, nicht nur Kinder, die wirklich noch an Geister glauben und sich vor ihnen fürchten), und die Aufführung war ein riesiger Erfolg. Plötzlich erinnerten die Kinder sich an Sätze, die sie bei den Proben immer vergessen hatten, und sie übertrafen sich selbst. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie stolz wir da auf „unsere“ Kinder waren, vor allem, als wir von vielen Leuten gesagt bekamen, dass sie nicht gedacht hätten, dass die blinden Kinder schauspielern können.
Eine andere Besonderheit bei der Yapentra-internen Weihnachtsfeier war, dass Julia und ich das erste Mal unsere Kebayas, traditionelle indonesische Kleider mit einem langen, eher engen Rock und einer langen Bluse aus besticktem Spitzenstoff, anhatten. Wir hatten sie uns extra für die Gelegenheit schneidern lassen, und es hat sich gelohnt, sie sind wunderschön geworden, und außerdem haben die Leute sich gefreut, dass wir indonesische Kleidung tragen.
Eine andere Erfahrung, die Julia und mich enger zusammengeschweißt hat waren unsere Läuse. Ja, wir waren naiv genug zu glauben, dass es in einem Internat, in der um die 60 Kinder dicht beieinander wohnen, keine Läuse gibt oder haben zumindest nicht darüber nachgedacht… Irgendwann fing es auf meinem Kopf an zu jucken, und dann hielt ich auch schon die erste zappelnde Laus in meiner Hand. Weil Julia und ich zusammen wohnen, hatte ich die Läuse in der Zwischenzeit schon großzügig mit ihr geteilt. Als ich Ibu Lastri, der Hausmutter der kleinen Mädchen, bei denen ich esse und bete, nach der Abendandacht kleinlaut gebeichtet habe, dass ich Läuse habe und sie doch vielleicht auch mal bei den Kindern nachgucken solle, kam nur ein trockenes „Ja, die haben Läuse, das weiß ich doch“, und eins der Mädchen sprang auf und fing an auf und ab zu hüpfen und rief „Ich hab auch Läuse! Ganz viele! Du hast sie von mir, freust du dich jetzt?“. Ihr könnt euch meine Begeisterung vorstellen… Immerhin hat uns die Hausmutter gleich ein Läusemittel gegeben, aber die Suche nach einem Läusekamm stellte sich als hoffnungslos heraus, anscheinend gibt es keine guten Läusekämme mit eng genug stehenden Zinken auf Sumatra… Also haben Julia und ich uns unsere Köpfe stundenlang gegenseitig abgesucht, und so was schweißt zusammen. Mittlerweile haben wir aber auch Läusekämme aus Deutschland geschickt bekommen, nur für den Fall der Fälle, und einige davon werden auch hier bleiben, wenn wir wieder fahren, damit es eine Chance gibt, dass auch die Kinder ihr Läuse loswerden.

Abschließend kann ich sagen, dass es mir hier sehr, sehr gut gefällt und ich glücklich bin, die Möglichkeit zu haben und so viele neue und unterschiedliche Erfahrungen machen zu können, die ich dann später auch wieder mit zurück nach Deutschland nehmen werde. Außerdem lerne ich hier, auch durch die vielen verschiedenen Aufgabenfelder, in denen ich hier arbeite, viel. Ich verdanke es auch Euch und Ihnen, die mir das alles durch die Spenden erst ermöglichen, dafür bin ich sehr dankbar!

Viele Grüße aus Indonesien, sampai jumpa lagi di Jerman!
Susanne

Eins „meiner“ Mädchen und ich. Ihr Kleid war ein Weihnachtsgeschenk von Spendern, die für alle Mädchen ein Kleid und für alle Jungen ein Batikhemd haben schneidern lassen.

Eins „meiner“ Mädchen und ich. Ihr Kleid war ein Weihnachtsgeschenk von Spendern, die für alle Mädchen ein Kleid und für alle Jungen ein Batikhemd haben schneidern lassen.

Bei der Yapentra-Weihnachtsfeier, mit der Orientierungs- und Mobilisierungslehrerin, mir, dem Englischlehrer (unser Indonesischlehrer und Freund), Julia und der Tochter vom Direktor der Wohnhäuser

Bei der Yapentra-Weihnachtsfeier, mit der Orientierungs- und Mobilisierungslehrerin, mir, dem Englischlehrer (unser Indonesischlehrer und Freund), Julia und der Tochter vom Direktor der Wohnhäuser

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Einmal Dumai und zurück, bitte

Im November waren wir ein Wochenende lang unterwegs – von Freitagnachmittag bis Montagfrüh.
Alles fing an, als Sophie und Marcs noch da waren, und Sophie bei einem der Erklärungsversuche, wer wer ist, gesagt hat: „Das ist Ibu Ira, sie heiratet im November, vielleicht könnt ihr da ja mit hin.“
Im Laufe der Zeit haben wir Ira dann besser kennengelernt, sie hat uns wahnsinnig viel geholfen: Sie ist mit uns nach Lubuk Pakam, in die nächstgelegene Stadt gefahren, und hat uns da gezeigt, was man wo einkaufen kann. Wir haben zusammen im Garten gearbeitet, sie hat uns Papayas vorbeigebracht, sie hat uns gezeigt, wie man auf dem traditionellen markt einkauft und so weiter. So ist sie in den ersten drei Monaten zu einer echten Freundin geworden.
Ihr glaubt gar nicht, wie sehr wir uns gefreut haben, als sie uns gefragt hat, ob wir zu ihrer Hochzeit kommen wollen. Natürlich wollten wir!
Dann mussten wir nur noch herausfinden, wie wir dort hin kommen können. Das sah zunächst sehr schwierig aus, weil Dumai, der Ort, wo ihre Hochzeit war, sehr weit weg ist. Zum Glück fuhr der Schulchor auch, also konnten wir im Bus mit.
Der ist aber leider nur für Asiaten ausgelegt, weshalb wir es ziemlich eng hatten, und zwar für jeweils mehr als 12 Stunden…
Trotzdem waren die Fahrten lustig, es waren ein Stimmen-Imitator, der andere Leute unglaublich passend trifft, eine Gitarre, mehrere Flöten und ein Bus voller Leute, die wahnsinnig gut singen können, mit.
Bevor wir am Freitagnachmittag um halb fünf losgefahren sind, kam gerade noch rechtzeitig Susannes Geburtstagspaket an – und Julia hat nicht zugelassen, dass es vor Sonntag geöffnet wird… manchmal ist sie so streng 😀
Naja, die Fahrt war also ziemlich lang, aber lustig. Am Samstagmorgen sind wir dann endlich mit schmerzenden Hintern in Dumai angekommen, wo wir zusammen mit den Schülern bei der Familie einer ehemaligen Schülerin gewohnt haben.
Da konnten wir auch duschen, natürlich auf indonesische Art, mit Schöpfkelle und Eimer, aber das kennen wir ja schon. Was für uns etwas ungewohnt war, war die nur halbhohe Tür zwischen Badezimmer und Küche, in der sich diverse Leute aufhielten. Nun ja, wir sind beide größer als Durchschnitts-Indonesier und haben uns deshalb im Bad nur geduckt bewegt…
Nach einem typisch indonesischen Frühstück (ihr dürft raten… Richtig! Reis mit scharf!), einem Friseurinnenjob für Susanne und einem als Kosmetikerin für Julia (wenn einen die 21-jährigen, blinden Jungs fragen, ob man ihnen das Gesicht pudert, KANN man einfach nicht nein sagen!), ging es dann los zur Kirche, in der die Hochzeit stattfand.
Die Zeremonie war wunderschön, genauso wie die Braut. Und obwohl die garantiert 100.000 andere Sachen im Kopf hatte, sich für die offiziellen Fotos eine Stufe weiter runter stellen musste, weil sie sonst in ihren Schuhen größer ist als ihr Mann und so weiter, hat sie trotzdem immer wieder Zeit gefunden uns zuzuwinken, ein Foto mit uns zu machen und kurz mit uns zu reden.
Und spätestens als der Schulchor anfing, ein Lied über zwei kleine Ringe zu singen (Dua cin-cin kecil), hatten auch wir Pipi in den Augen…
Im Anschluss an den Gottesdienst ging es dann mit den anderen etwa 800 Gästen z der Halle, in der die Feier stattfand. Ach ja, Batakhochzeiten mit nur 100 Gästen sind schon seeeeeehr klein, 800 Gäste weisen also noch nicht auf eine außergewphnlich große Feier hin…
Mit den blinden Schülern wurden wir durch einen Seiteneingang hineingeführt, die anderen Gäste kamen zu traditioneller Musik tanzend herein und brachten die Geschenke (oft Reis) zum Bratpaar. Währenddessen versuchten ein paar Leute, nus diesen Tanz beizubringen – man legt die Hände wie zum Gebet aneinander und bewegt sie dann hoch und runter, während man durch den Raum schreitet.
Auch das Essen war typisch Batak – Schweinefleisch (die meisten Batak sind Christen) in einem Brei aus viiiiel Ingwer und gerösteten und zermahlenen Kokosraspeln. Nicht unser Lieblingsessen…
Nach dem Essen waren wir aus Yapentra an der Reihe, die Geschenke zu übergeben. Und nachdem Pak Silitonga, der Direktor, ein paar Worte gesagt hatte, bekam plötzlich Julia das Mikro in die Hand gedrückt und hat vor 800 Menschen gesagt, wie wichtig Ibu Ira in der kurzen Zeit für uns geworden ist, dass wir in ihr eine echte Freundin gefunden haben und traurig sind, dass sie in Yapentra aufhört.
Weil die Kinder alle schon müde waren (kein Wunder, einige waren schon mehr als 24 Stunden wach), fuhren wir dann nach einem kleinen Abstecher zum „Strand“ (leider sehr steinig, und vor allem vermüllt) wieder zu unserer Unterkunft zurück. Dort haben wir viel mit den Kindern, aber auch mit den Söhnen der Familie, bei der wir geschlafen haben, geredet. Teilweise war das ganz schön witzig, weil wir das Indonesisch der Gleichaltrigen nicht verstanden haben, wenn die Kids es dann aber in ihr Indonesisch übersetzt haben, ging es oft problemlos. Da sieht man, von wem wir die Sprache lernen.
Nach dem Abendbrot sind wir dann auch direkt ins Bett (naja, auf den mit Teppich ausgelegten Fußboden) gefallen, so müde waren wir.
Am nächsten Morgen wurden wir dafür aber auch relativ früh wach. Während Julia wie ein Stein geschlafen hatte, hatte Susanne das Gefühl, dass die ganze Nacht Party um sie herum war.
Nach geducktem Duschen quetschten wir uns wieder alle in den Bus, und auf ging’s zur nächsten Kirche, deren 40. Geburtstag gefeiert wurde. Dort haben wir gefrühstückt, und dann ging das Übel los: gefühlte 1000 Jugendliche strömten auf uns zu und haben nach Fotos, Autogrammen, Fotos, facebook-Adressen, und noch mal Fotos gefragt – mit Freunden, ohne Freunde, mit anderen Freunden, mit einer anderen Kamera…
Während des Gottesdienstes hatten wir halbwegs unsere Ruhe, aber danach ging das Theater wieder los. Wir konnten nicht mal aufs Klo gehen, ohne dass uns Leute gefolgt sind…
Irgendwann haben sich dann Kinder aus Yapentra und welche aus der Familie, bei der wir geschlafen hatten, um uns herumgesetzt, sodass niemand mehr an uns heran kam.
Nun ja, so ein Kirchengeburtstag wird zelebriert -Gottesdienst, Musik (die Schulband hat gespielt, deshalb waren wir da), Reden, Geschenke (die auf die gleiche Art überreicht wurden wie bei der Hochzeit)… Und irgendwann hatten wir dann wieder ein Mikro unter der Nase und mussten vor der ganzen Gemeinde singen.
Am späten Nachmittag waren die Feierlichkeiten dann endlich vorbei, und nachdem wir uns auf dem Klo bequemere Sachen angezogen hatten, haben wir uns alle wieder in den Bus gefaltet und sind zurück gefahren.

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